Einleitung

Die Botschaft in Heilmanns Abschiedsbrief in der "Ästhetik des Widerstands" von Peter Weiss ist klar: "Du an deinem Ort". Der Ort ist in diesem Fall Krems an der Donau. Die Verpflichtung: die Zusammenhänge zu deuten, ist gerade für diese Stadt in Niederösterreich mit einer langen nationalen, antisemitischen Tradition, die bis in die Jetztzeit reicht, besonders vordringlich. In mehrjährigem Bemühen versuchte der Verfasser, für eine Dissertation’ über Krems 1938 bis 1945 am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien "winziger Fäden" habhaft zu werden. Hören Sie doch damit auf, wärmen Sie die alten Sachen nicht auf, geben Sie doch Ruhe nach 40 Jahren, wird denn nie ein Ende sein?" Mit dieser Haltung war der Verfasser bei seiner Annäherung an die Zeit des Nationalsozialismus in Krems häufig konfrontiert. Nicht immer wurde sie offen ausgesprochen, gedacht wurde sie auf jeden Fall. Krems lebt von seiner Geschichte. Für die Leistungen auf dem Gebiet der Altstadtsanierung wurde es sogar vom Europarat ausgezeichnet; Krems ist aber auch eine ahistorische Stadt, denn die einzige umfangreiche Geschichte stammt von Propst Anton Kerschbaumer2 und endet mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Mit den Jahrzehnten danach sind offensichtlich keine Fremden zu locken. Wäre die Zeit zwischen 1938 und 1945 ein weißer Fleck in den diversen Stadtführern, es wäre nicht das Schlimmste; ärgerlicher – und decouvrierender – sind hingegen die Eintragungen in der Chronologie, zum Beispiel von Franz Biberschick3. Dort heisst es über die jüngere Zeitgeschichte: "1939 – 1945 der Zweite Weltkrieg. Am 2.4.1945 wird Krems von den Amerikanern bombardiert, am 8.5. ziehen die Russen in die Stadt ein." Für das Jahr 1938 fällt Biberschick im Jahr 1951 nur der Bau des Donauhafens ein. Die Zeit bis zum Kriegsende ist lediglich durch einige "Bauvorhaben" gekennzeichnet. Im Führer4 über "die historische Stadt Krems a.d. Donau", der im Faber-Verlag erschienen ist, fehlt gleich der gesamte Zweite Weltkrieg. Selbst 1977 fällt Harry Kühnel5 zu dieser Zeit lediglich der Zweite Weltkrieg ein: "Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges und der Behebung der großen Schäden, die durch den Bombenangriff vom 2. April 1945 hervorgerufen worden waren, setzte vor allem im Osten von Krems eine intensive Bautätigkeit ein."

Aufgewachsen in dieser Stadt prägten den Verfasser die greifbaren Auswirkungen der Geschichte. Greifbar waren das Sappeurdenkmal im Stadtpark ebenso wie die Veteranentreffen im nahegelegenen Brauhof. Greifbar waren das schlichte Denkmal für die 300 von der SS ermordeten Häftlinge des Zuchthauses Stein ebenso wie die Erzählungen der Großmutter, die zehn Jahre als Bedienerin im Hause des jüdischen Rechtsanwaltes Dr. Paul Brüll gearbeitet hatte. Es mag wohl ein geographischer Zufall sein, dass das Elternhaus des Verfassers in der Mitte zwischen dem Kriegerdenkmal und dem Stein für die ermordeten Häftlinge liegt, prägend war dieser Gegensatz allemal. Entsprechend dieser Umgebung bleibt dem Verfasser nur, sich dem Seufzen des Dichters Jean Paul nach einem Spaziergang in seiner "Geschichte des Rekruten Florian Fälbels und seiner Primaner Reise nach dem Fichtelwald" anzuschließen, das dem Nicht-Vergessen-Können entspringt, darüber, dass hier jene Schlacht geschlagen und dort jener erschossen wurde. Das offizielle Krems hat jedoch kaum mit Jean Paul "geseufzt", sondern viel eher gefeiert. und die Würdigung Dr. Herbert Fabers durch das "Goldene Verdienstkreuz der Republik Österreich" in den siebziger Jahren war nur der letzte Anlaß für den Verfasser, den Weg in die Archive anzutreten und nachzulesen, wie Dr. Faber 1938 schrieb und schreiben liess. Neben den Lokalzeitungen waren Interviews mit Zeitzeugen/innen in der ersten Phase die einzige Möglichkeit, sich an die Geschichte der Stadt anzunähern, da von seiten der Verantwortlichen in der Stadt immer wieder behauptet wurde, daß im Stadtarchiv nichts über die Zeit zu finden sei .6 Wo immer eine Antwort auf die Frage "Was ist geschehen?" zu bekommen war – und das war nicht die Regel – lautete sie in etwa: "Die Juden waren plötzlich weg. Drei haben sie geköpft, drei aufgehängt und 300 erschossen." Ein andere, Stenogramm der Geschichte einer Stadt, als es in den Chroniken zu finden ist. Während es für den Bereich des Widerstandes relativ einfach war, neben den durch Verhörprotokolle aufgezeichneten Aktionen ein Netz der Aktivitäten und einen Überblick über die soziale Zusammensetzung zu gewinnen, boten die Erinnerungen an die jüdischen Bürger der Stadt oft nur Anekdotisches: die schöne Stimme des Kantors, eine Aufzählung der Geschäfte, die Einladung zu einem Lokalaugenschein, die Bettwäsche und die Eheringe, die beim "Neuner-Jud" und beim "Bader-Jud" gekauft worden waren. Nut vereinzelt konnten am Beginn der Recherchen Personen gefunden werden, die die antisemitischen Schmierereien, die Räumung des Bethauses, die Verhaftungen und Demütigungen bezeugen konnten und wollten. Die so zusammengetragenen Erinne-rungsfragmente – insgesamt konnten mehr als 200 Interviews geführt werden’ – boten die Grundlage für den Versuch, eine Geschichte über die Verfolgung der Juden zu verfassen. Die Angaben über Überlebende, die einmal in Krems gewesen sind, blieben vage. Erst der Kontakt mit dem Kremser Willi Glass in den USA, der in den siebziger Jahren nach Krems gekommen war, um sich mit den Jugendfreunden aus der Zeit der Roten-Falken zu treffen, bot die Möglichkeit, Verbindung mit den noch lebenden vertriebenen Kremsern in Israel aufzunehmen. Mit Hilfe von Abraham Nemschitz konnte der Verfasser 1987 nach Israel reisen,’ Interviews führen und eine Reihe von historischen Fotos reproduzieren. Ein Jahr später konnten darüberhinaus Kremser in den USA inter-viewt werden.’ Im Laufe der Jahre konnten Kremser in Israel, den Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich, Grossbritannien, Kanada und Uruguay ausgeforscht werden. Die so gewonnenen Erkenntnisse konnten mit den Ergebnissen von Archivstudien im Archiv der Republik Österreich, im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und im Niederösterreichischen Landesarchiv10 verglichen werden. Als besondere Quelle erwiesen sich die Akten der Volksgerichtsverfahren nach 1945 mit deren Hilfe unter anderem zwei "Arisierungen" in Krems als Fallstudien dokumentiert werden konnten." Der Weg der Kremser Juden von Krems nach Wien und anschliessend in die Deportation oder die Flucht nach Palästina oder Übersee konnte vor allem mit Hilfe des Meldearchives des Wiener Stadt- und Landesarchives12 nachgezeichnet werden.

Der vorliegende Band gliedert sich in vier Abschnitte. Im Kapitel VOM ALLTAG ZUR VERTREIBUNG wird versucht, die Geschichte der Juden und ihrer "Mitbürger" in Krems vor 1938 darzustellen, dies reicht vom alltäglichen Antisemitismus, wie er von den jüdischen Kindern in der Schule erlebt wurde, bis hin zum sozialen, kulturellen und religiösen Leben der jüdischen Gemeinde. Das Kapitel Vom theoretischen zum praktischen Antisemitismus leitet die Darstellung der Verhöhnung und Vertreibung der Juden 1938 ein. Die Fallbeispiele von "Arisierungen" in Krems zeigen die unausgesprochene Komplizen-schaft zwischen den durchführenden Organen und Personen und den Nutzniessern, machen aber auch deutlich, welche sonderbaren Koalitionen die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte nach 1945 gehemmt oder verhindert haben. Der Abschnitt FAMILIENSCHICKSALE beinhaltet die Geschichte aller jüdischen Familien der Stadt und – soweit bekannt – des Landbezirkes. Ein Dokument eines schmerzlichen Erinnerungsprozesses sind die Briefe von Alfred Silbermann aus Florida, der von seiner Heimat nicht loskommt, aber selbst um "viel Gold nicht mehr nach Krems kommen würde". Der Abschnitt LEBENDIGE GESCHICHTE bringt eine Sammlung aus Briefen, Stellungnahmen und Erinnerungsbruchstücken, die deutlich machen, dass die Auseinandersetzung mit diesem Teil der österreichischen Geschichte kein Fall von "Gedenkjahren" ist, nach denen wieder zur Tagesordnung übergegangen werden kann, wenn langfristige Veränderungen erreicht werden sollen: die antisemitischen Schmieraktionen in Krems 1991 als Reaktion auf die positiven Stellungnahmen zur Errichtung eines Denkmals für die ermordeten und vertrieben Juden beweisen dies eindringlich. Im Abschnitt TAGEBUCH EINER FLUCHT ist es gelungen den langen Weg eines Kremser Juden nach Palästina zu dokumentieren. In einer millimetergroßen Schrift hatte Josef Nemschitz auf dem Schiff nach Palästina im Herbst 1940 Tag für Tag in kurzen Eintragungen die Fahrt und den Aufenthalt im Internierungslager der Engländer in Palästina festgehalten. Abraham Nemschitz hat das Tagebuch seines Vaters transkribiert, die Historikerin Gabriele Anderl stellt die Flucht der Familie Nemschitz in den Kontext der verzweifelten Versuche jüdischer Organisationen, Flüchtlinge über die Donau nach Palästina zu retten. Im abschliessenden Kapitel "Ist Krems besser als sein Ruf? " wird versucht, ein Resümee zu ziehen, das beim Vergleich der Umsetzung der antisemitischen Propaganda in verschiedenen niederösterreichischen Städten – aufgrund der bisher vorliegenden Zahlen – ein überraschendes Ergebnis zeigt. Diese Arbeit wäre ohne die Mithilfe einer Reihe von Personen nicht möglich gewesen. Für die wissenschaftliche Betreuung danke ich Univ. Prof. Dr. Erika Weinzierl. Für wertvolle Hinweise und die Vorbereitung meiner Kontakte in Israel danke ich Abraham Nemschitz und Robert Kohn. Hinweise auf Quellen und Archivbestände lieferten neben den bereits genannten Personen Dr. Klaus Dieter Mulley , Dr. Michael John, Dr. Klaus Lohrmann und Franz Kral. Bei der Vermittlung von Zeitzeugen in Krems und Umgebung war vor allem Karl Mörwald eine Stütze. Als Gesprächspartner danke ich Dr. Gerhard Bisovsky, Anna Grevers, Dr. Alexander Potyka, Alfred Schiemer und Dr. Hans Schafranek. Den Satz und die Transkriptionen besorgten Eva Lukas und Susanne Kahofer.

ANMERKUNGEN

1 Robert Streibel: Krems 1938-1945. Eine lokalhistorische Studie. Wien. Diss. 1990. 2 Bde.936 Seiten
2 Anton Kerschbaumer: Die Geschichte der Stadt Krems. Krems 1885
3 Franz Biberschick: Krems, Stein und Mautem. Eine kunst- und kulturgeschichtliche Wanderung durch die Donaustädte. Krems 1951
4 Die historische Stadt Krems a.d.Donau. Verlag Dr. Fonje. Krems o.J.
5 Harry Kühnel: Krems und Stein. München, Zürich 1977
6 Bis zum heutigen Tag konnte der Verfasser noch nicht im Archiv der Stadt Krems arbeiten, da offiziell nur eine kleine Schachtel mit Bildern und einigen Aufzeichnungen über den Bombenangriff 1945 vorhanden sind.
7 Die Länge der Interviews schwankt zwischen 30-minütigen Gesprächen, in denen Interviewpartner nur zu einem konkreten Vorfall Stellung nehmen wollten und mehrstündigen biographischen Interviews.
8 Die Reise wurde durch ein Auslandsstipendium, und dank der Unterstützung durch die Österreichisch-Israelische Gesellschaft und ein Wissenschaftstipendium der Stadt Wien möglich.
9 Der USA-Aufenthalt erfolgte im Rahmen eines Fulbright Stipendiums.
10 Für Hinweise danke ich Dr. Heinz Amberger und Dr. Ernst Bezemek.
11 Mein besonderer Dank gilt Dr. Walter Weis im Landesgericht für Strafsachen.
12 Für die prompte Erledigung meiner Wünsche danke ich Herrn Amtsrat Herbert Koch.

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