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Aufgewacht in Krems

Im Wahlkamof in eine tausendjährigen Kiste gegriffen

Robert Streibel

Ist es der genius loci, die beschränkte Möglichkeit von Wortspielen in unserer Sprache oder doch etwas mehr? In Krems an der Donau wird bis 7. Oktober wahlgekämpft und in Wahlzeiten kommt vieles zu Tage, was im Verborgenen und Hinterköpfen schlummert und von Zeit zu Zeit einfach hinauswill. Die tausend Jahre waren kürzer als veranschlagt, aber alles war doch nicht schlecht. Die NS-Propaganda hatte schon etwas.

„Krems Wachauf“ plakatiert die ÖVP zur Zeit auf gelbem Hintergrund. Das S von Krems ist rot, denn es droht ein sozialdemokratischer Wahlsieg. Wachauf und Wachau ist ein nettes Wortspiel oder wie immer man das qualifiziert. Aufwachen ist gut, denn der Morgen bringt Zuversicht und Sonne. Aufgewacht sind schon die Nazis, die auch mit der Eisenbahn gefahren sind, die wir heute auch benutzen. Aber in der Wachau ist es doch ein wenig anders. Denn da gibt es ein NS Propagandalied Wach auf deutsche Wachau, das entstand, als die Nazis in Österreich schon verboten waren.

Gottseidank kennen das Lied nicht viele. Die ersten Zeilen lauten: „Was rauscht so bang der Donaustrom durchs weite deutsche Land? Von Burg zu Burg. Die Frage geht: Wann denn die Ostmark aufersteht? Ob auch der Bruder endlich Heimwärts fand, ab in große Vaterland! Wach auf, deutsche Wachau(…) Ruft die Schar aus Erz und Stahl. Bleib stark mein deutsches Österreich, ein Wort fällt auf den ersten Streich. Wach auf, deutsche Wachau. Heil dir Nibelungengau.“

Liedtext mit Tonbeispiel: Wach auf deutsche Wachau

So der Beginn. Eine völkische Rarität auf dem Schellak-Markt. Bloß ein Zufall. Die Bevölkerung aufzurütteln, weil Ungemach droht: Das ist löblich, dafür darf auch in braune Kisten gegriffen werden. Danke für diese „Information“ denn am Plakat ist diese „Dichtung des Jahres 2007“ ausgewiesen als: „Eine Information der Volkspartei Krems“. Im Wahlkampf ist historische Sensibilität ein Fremdwort.

Robert Streibel, Direktor der Volkshochschule Hietzing, Historiker und Publizist, seit 20 Jahren als Geschichtsarbeiter nicht nur in Krems unterwegs.