Vertreibung mit Folgen

Judenpogrom und der Bau des Kremser Brauhofsaales

Robert Streibel

Die Juden von Krems waren für die „Mitbürger‰ 1938 „plötzlich alle weg‰. Diese Aussage, kehrt fast wie eine stehende Formel in den Erzählungen von verschiedenen ZeitzeugInnen immer wieder. Mit dem „Plötzlich alle weg‰ läßt es sich leichter leben, denn es erspart das Denken an die Gewalt und Gemeinheit, die den Nachbarn angetan wurde, das „Plötzlich waren sie alle weg‰ ist letztlich ein nachträglicher Versuch, das schlechte Gewissen zu beruhigen. Die Vertreibung der Juden aus Krems, die lange vor 1938 begonnen hatte ˆ denn bereits 1932, als die NSDAP in Krems noch legal war, postierten SA-Männer vor jüdischen Geschäften, um Konsumenten am einkaufen zu hindern ˆ hinterließ nur in den wenigsten Fällen Spuren, die unabhängig von der Erinnerungsfähigkeit eine Chance hatten um zu überdauern. Ein besonderer Fall dieser Vertreibung mit Langzeitwirkung ist aufs Engste mit dem Bau jenes Saales verbunden, der noch Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg, nach der Befreiung der Stadt vom Nazionalsozialismus das Alltagsleben der Stadt und seiner Bewohner bestimmen sollte. Die Rede ist hier vom Brauhofsaal, der bei seiner feierlichen und pompösen Eröffnung im November 1940 als der größte Saal Niederdonaus galt. Und einen derartigen Saal hatte die Gauhauptstadt Krems dringend von Nöten, denn wo sonst sollten Appelle abgehalten werden und die Bewohner zur ideologischen Befehlsausgabe zusammengeholt werden. So ähnlich liest es sich auch in der Erklärung zur Errichtung dieses Saals. „Die NSDAP hat nun jede Möglichkeit, ihre Parteimitglieder zu versammeln und zu mächtigen Kundgebungen eines großen einheitlichen Willens, aber auch Entgegennahme von wichtigen Weisungen., die immer wieder erfließen müssen, zusammenzurufen.‰ Den Reden folgte die Aufheiterung für die Truppe, Monate später lagen im Saal die Ergebnisse der Wollsammlung im Bezirk für die frierenden Soldaten und 1945 wurde hier der Volkssturm als letztes Aufgebot vereidigt. Das kulturelle Leben der befreiten Stadt begann mit Konzerten russischer Militärs, mit Opernaufführungen und Boxveranstaltungen. Als die Maturabälle in den Saal einzogen, hatten ihn die „Stalingradkämpfer‰ längst als Treffpunkt für ihre Treffen entdeckt. Daß der Brauhofsaal erst gebaut werden konnte, weil die Juden aus dem Haus vor dem Steinertor vertrieben worden waren, ist nur den wenigsten bekannt, in der Zeitung liest man im Juni 1939 selbstverständlich nur von der Verlegung des traditionellen Café Billeks, das sich im Haus Schwedengasse Nummer 6 befunden hatte und dem Bau weichen mußte. Die Vertreibung der Juden aus ihren Wohnungen erleichterte den Planern die Arbeit und ermöglichte rechts vom Steinertor einen Stiegenaufgang zum Brauhofsaal. Am Beispiel des Häuserensemble rund um das Steinertor ˆ vor der Stadtmauer und in der Stadtmauer ˆ kann wie an wenigen anderen Plätzen die Geschichte des Antisemitismus und der Vertreibung der Juden geschrieben werden, denn auf wenigen Metern ereignete sich hier die Geschichte in allen Facetten, die von der berechtigten Angst, über den legalisierten Raub, der Vertreibung aus der Wohnung und der nackten Gewalt In dem geschliffenen Haus befanden sich eine Reihe von jüdischen Geschäften, hier verkaufte Saul Langberg, Hosen und Schuhe, hier erwarb zum Beispiel auch der Arbeiter Johann Wurm rote Selbstbinder, die nicht nur für ihn ein stolzes Zeichen des politischen Selbstbewußtseins war. Nach der vollständigen Auflösung aller Organisationen der Arbeiterbewegung 1934 konnten Johann Wurm und seine damals noch sozialdemokratischen Freunde diese roten Selbstbinder nicht mehr tragen, sie verschwanden in den Kästen und Schubhladen, als auch dieses Versteck im März 1938 als nicht mehr sicher gelten könne, bat Saul Langberg Johann Wurm, ihm doch den Restposten von roten Selbstbindern aus dem Geschäft zu schaffen. Saul Langberg war für die Kleinstadt Krems eine schillernde Figur, denn vor dem Stadttor in die Innenstadt war das kleine Geschäft für viele ein Tor zur Welt: kein Wunder, denn Saul Langberg, der mit Johann Kolb und ihren Kindern Malvine und Otto zusammenlebte, war weitgereist. Er hatte einen Bruder in Südafrika, hatte selbst als Kellner und in einer Bettenfabrik in Amerika gearbeitet. Nach Europa war er zurückgekommen, um seine Eltern in Polen nochmals zu sehen, doch der Erste Weltkrieg brach aus und so mußte er seinen Militärdienst ableisten, wurde verwundet und kam ins Spital nach Krems, wo er sein Geschäft eröffnete. Seine Erlebnisse bekamen die Kunden gratis zu den erworbenen Waren und manche gingen mit mehr nach Hause als sie tragen konnten, denn Paul Pisker lernte er wie man eine Grapefruit ißt und Alfred Silbermann, dessen Eltern in der heutigen Arbeitergasse wohnten, schloß in Langbergs Geschäft den ersten Kontakt mit der Englischen Sprache. Saul Langberg gelang mit seiner Lebensgefährtin Johanna Kolb und deren Kindern die Flucht in die USA. Johanna Kolb verstarb 1965 in San Francisco ihr Mann 1973. In unmittelbarer Nähe des Geschäftes befand sich die Brandweinschenke von Leopold Schlesinger, das weitere Schicksal dieser Familie ist nicht weiter belegt, klar ist lediglich, daß Marie Schlesinger am 12. Mai 1942 ins Generalgouvernement deportiert und ermordet wurde. Aktenkundig ist auch die Schenkung des Hausanteils Schwedengasse Nummer 2 an die NSDAP, die angesichts der allgemeinen Umstände alles anderes als freiwillig über die Bühne gegangen sein dürfte. Im Haus Schwedengasse Nummer 2 befand sich auch das Wäschegeschäft der Familie Neuner. Die Plünderung dieses Geschäftes ist von verschiedenen Augenzeugen belegt. Erinnert sich eine Frau an die Verkündigung 1938: „Jetzt gehen wir zum Neuner‰, die den Marktplatz in Krems in kürzester Zeit leergefegt habe, da jedermann und jedefrau auch gerne einmal gratis einkaufen wollten. Bevor es zur Plünderung und Zerstörung ging, wurden die Kunden des Wäschegeschäftes an den Pranger gestellt. Der Fleischhauer Vincenz Zlabinger erinnert sich, das auch er auf einem Foto in der Auslage ausgehängt war, weil er bei Juden gekauft hatte. Anton Merkel, ein Nachbar war Zeuge, wie der Rollbalken mit einem Krampen eingeschlagen wurde und ein anderer ebenfalls als Kind an Aufläufen und Menschenansammlungen interessiert weiß noch, wie die alte Frau auf die Straße gezerrt und geschlagen wurde. Karl Sternecker, der sich „beim Neuner selbst einmal ein Jankerl gekauft hat‰, war ab dem 1. Oktober 1938 als Malergeselle beim Maler und Anstreicher Wunderbaldinger beschäftigt. In einem kleinen Kellerloch in der Schmidgasse befand sich ein Materiallager. „Um dreiviertel sieben haben wir Materialverteilung gehabt, weil wir in Gneixendorf die Baracken gestrichen haben. Auf einmal schepperts, Glasscherben sind geflogen, Wahnsinn, Weiber haben geschrien. Wir sind zur Ecke gegangen und haben rübergespechtlt, die vier, fünf Männer, die das gemacht haben, haben wir nicht gesehen, aber die haben das ganze Geschäft mit die Prügel zusammengedroschen. Dann haben sie die Haustüre aufgebrochen und sind in den Stock hinauf und haben wieder alles zusammengedroschen, die alten und jungen Frauen haben geschrien. Einer von unsere Gesellen, das war ein Kremser und der hat dann gesagt, er kennt jemand. „Schleichen wir uns, ich kenne das jemand, sonst kriege ich Schwierigkeiten. Dann haben wir uns zurückgezogen.‰ Während Agnes Neuner, die Geschäftsinhaberin das Konzentrationslager Theresienstadt überlebte, waren ihr Sohn Arthur und dessen Frau Frieda bei jenen knapp 1000 Juden, die am &. Mai 1942 nach Minsk verschleppt und gleich in der Nähe des Bahnhofs erschossen worden waren. Der zweite Sohne von Agnes Neuner, Ernst überlebt in Wien, obwohl sich seine „arische‰ Frau Marianne Frytal von ihm scheiden läßt und Mitglied des Reichsluftschutzbundes wird, gelingt es ihr immer wieder die Deportation ihres geschiedenen Mannes mit dem Hinweis zu verhindern, da sie sonst niemanden habe, der für den Unterhalt der Kinder sorgen könne. Ernst Neuner überlebt nicht nur in Wien, sondern organisiert auch generalstabsmäßig die Verpflegung von inhaftierten Juden in Theresienstadt. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Berta Kerpner sammelt er Geld und Lebensmittel. In insgesamt 933 Postsendungen werden so rund 40 Personen von November 1943 bis Ende 1944 beschickt. Alleine seiner Mutter konnte er auf diesem Wege 158 Lebensmittelpakete senden. Im Haus Schwedengasse Nummer 2 wohnte aber auch die Familie Kohn. Nach dem Tod der Mutter in den frühen zwanziger Jahren war die Familie zerrissen, Richard kam in ein Waisenhaus und nach einem Streit mit dem despotischen Vater, zog auch Anna Kohn aus und übersiedelte nach Wien. Im Jahr 1938 lebte nur mehr Samuel Kohn, der durch sein Engagement in Mieterfragen, als Sanitäter im Republikanischen Schutzbund, als Gesellschaftsmensch, der mit Wein und Alkohol gehandelt hat, vielen Menschen in Krems ein Begriff war. Auf einen kleinen Leiterwagen mußte er sein Hab und Gut aufladen, nachdem er aus seiner Wohnung geschmissen wurde und bis zu seiner Übersiedlung nach Wien lebte er in der Dachsberggasse 8 beim alten Ehepaar Jakob und Katharina Sachs.

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