31. Wird es ein Denkmal für die vertriebenen und ermordeten Juden in Krems geben?

Wird es ein Denkmal für die vertriebenen und ermordeten Juden in Krems geben?
Im Zusammenhang mit dem erfolgreichen Versuch, die Stadtgemeinde Krems von der Notwendigkeit der Restaurierung des jüdischen Friedhofs zu überzeugen, tauchte auch der Plan auf, ein Denkmal für die ermordeten und vertriebenen Kremser Juden zu errichten. Die Bitte um eine „Wortspende“richtete der Verfasser an 50 Persönlichkeiten in Krems. Das nicht errichtete Denkmal wirft bereits als Idee düstere Schatten. Nachdem die positive Stellungnahme des ehemaligen KPÖ-Vizebürgermeisters der Stadt Krems, Karl Mörwald, im Sommer 1991 publiziert wurde, kam es in Krems zu Schmieraktionen von Neonazis. Erstmals seit 1938 war die Landstraße wieder mit „Judensternen“ verunstaltet und den Befürwortern des Denkmals wurde die „Gasdusche“ angedroht. weiterlesen

30. Ohne Kommentar

Ohne Kommentar
Die Suche nach einer Antwort auf die Frage, „Wie konnte es dazu kommen?“, kann im Zusammenhang mit der Geschichte der Juden und ihrer „Mitbürger“ in Krems wohl nur mehr der zukünftigen Prophylaxe dienen. Die Verhöhnung, Vertreibung und Ermordung kann nicht ungeschehen gemacht werden, aber daß die Ausgrenzung verbal noch immer zur alltäglichen Praxis – nicht nur in Krems -gehört, ist der Skandal unserer Zeit. Die folgenden Ausschnitte aus Interviews, Gerichtsprotokollen und Briefen geben einen Einblick in diesen alltäglichen Antisemitismus. weiterlesen

25. Vielleicht hat die Welt noch eine Chance auf friedlichere Zeiten? Aus den Briefen von Abraham Nemschitz

Vielleicht hat die Welt noch eine Chance auf friedlichere Zeiten?
Aus den Briefen von Abraham Nemschitz
Im Jahre 1986 erzählte mir der ehemalige Arbeiter in der Tischlerei Otto Adler, Edwin Wendt, von Willi Glass, mit dem er gemeinsam bei den Roten Falken in Krems politisch aktiv gewesen sei. Der Kontakt zwischen den ehemaligen Roten Falken beschränkte sich nach 1945 lange Zeit auf Weihnachtsgrüße. Anfang der siebziger Jahre besuchte Willi Glass seine ehemalige Heimat und traf auch mit den alten Bekannten zusammen. Nach diesem Interview schrieb ich Willi Glass von meinem Projekt, die Geschichte der Juden von Krems aufzuarbeiten, und bat ihn, mir den Kontakt zu anderen Kremser Juden herzustellen. Die Antwort kam nach einigen Wochen: Es gäbe noch Kremser Juden in Israel, doch aus verständlichen Gründen könne er mir die Adressen nicht geben, werde aber in einem Brief von meinem Vorhaben berichten. Es liege dann bei seinen Freunden in Israel, mit mir in Kontakt zu treten oder nicht. Ein Beginn mit vielen Unbekannten. Anfang des Jahres 1987 erhielt ich überraschend Post aus Herzlia in Israel. Abraham Nemschitz schrieb von einer schlaflosen Nacht, die ihm mein Brief, den er von Willi Glass via USA bekommen habe, bereitet habe. Ein Beginn, mehr nicht. Mit meinem Antwortbrief wollte ich keinen Tag warten. Ein Briefwechsel begann, die Zeit war günstig und ungünstig zu gleich. Günstig, weil, wie Abraham Nemschitz in einem Gespräch später erläuterte, er gerade in Pension ging und plötzlich Zeit hatte, über sein Leben und das Schicksal seiner Familie nachzudenken. In dieser Phase der Reflexion begann Abraham Nemschitz, das Fluchttagebuch seines Vaters, das in millimetergroßer Schrift Tag für Tag die Flucht aus Wien belegt, zu transkribieren. Ungünstig, weil diese Kontaktaufnahme für viele schon zu spät kam. Die Feststellung, daß in Briefen nicht alles gesagt werden könne, am besten in einem Gespräch die Geschichte der Familie erläutert werden könne, schien nicht mehr zu sein als eine Floskel. Es ist aber letztlich der Initiative von Abraham Nemschitz und Robert Kohn zu danken, der ebenfalls auf das Schreiben von Willi Glas antwortete, daß ich einen Forschungsaufenthalt im Juni 1987 planen konnte. Der Kontakt nach diesem Besuch und den Interviews mit den noch lebenden Kremser Juden in Israel vertiefte sich, trotz des Altersunterschiedes entstand eine Freundschaft. Die „Bilanz“ des Beginns mit vielen Unbekannten ist ermutigend. Abraham Nemschitz besuchte zweimal Krems und hatte vor allem 1989 nicht mehr das Gefühl, das ihn vorher bei Besuchen in seiner alten Heimat immer beschlichen hatte, sofort wieder „wegzuwollen“. Er konnte in Wien auf Grund eines „profil-Artikels“‚ eine weitschichtige Verwandte wiederlinden, er half mit, Politiker von der Notwendigkeit der Renovierung des jüdischen Friedhofes zu überzeugen. In den Briefen, die hier ausschnittweise dokumentiert sind, wurde unter anderem über das ProjektKrems 1938-1945, die Aktivitäten im Zusammenhang mit der Renovierung des jüdischen Friedhofes und die Einstellung „der“ Stadt zu ihrer Vergangenheit berichtet und diskutiert. Die Ausschnitte dieses Briefwechsels sind das Dokument einer Entwicklung, ein anderer Zugang zur Geschichte der Stadt abseits von Gedenktagen. weiterlesen

24. Lebendige Geschichte

LEBENDIGE GESCHICHTE
„Bei meinem ersten Besuch kamen mein Mann und ich im Parkhotel an, und im Restaurant hörte ich, wie jemand den Herrn Bürgermeister Thorwesten begrüßte. Ich stellte mich vor und sagte, daß ich nach 40 Jahren in meine Heimatstadt zurückgekommen sei, und ob er sich an meine Eltern erinnere. Leider war es ihm so unangenehm, er murmelte nur etwas und verließ fluchtartig das Restaurant.“

Malvine Rosengarten

Das jüdische Bethaus in Krems
wird 1978 abgerissen und muß
einer Bankfiliale weichen

23. Die ‚Gauhauptstadt‘ war niemals ‚judenfrei‘

Die ‚Gauhauptstadt‘ war niemals ‚judenfrei‘
Es gehört wohl zu den paradoxesten Erscheinungen der politischen Geschichte der Stadt Krems, daß trotz der langen antisemitischen und nationalsozialistischen Tradition, trotz der Ernennung zur Gauhauptstadt, kein einziges Mal in der Zeit zwischen 1938-1945 die Schlagzeile publiziert werden konnte: „Krems ist judenfrei“. Krems war niemals „judenfrei“. Die Zahl der Juden, die 1938 Krems verlassen hatten, kann auf rund 100 Personen geschätzt werden.‘ Im Gegensatz zu Städten wie Horn, wo die Vertreibung kollektiv auf Lastwagen erfolgte, setzten die NSDAP Krems und ihre Gliederungen auf einen permanenten Terror als Mittel zur Vertreibung der Juden. Daß auch den Kremser Juden ein Termin gesetzt wurde, der mit der jährlichen Abgabe der Haushaltslisten zusammengefallen sein dürfte, geht aus der Erzählung von Johann Kohn hervor, der mit dem Hinweis auf die Abgabe dieser Listen von seinen Freunden gewarnt wurde. Gertrude Hirsch (geb. Pisker, vereh. Erlanger) kam nach dem „Anschluß“, den sie bei ihren Eltern in Knittelfeld erlebt hatte, nochmals nach Krems, um Formalitäten zu erledigen. Über den Druck zur Ausreise berichtet sie folgendes: Erlanger: „Wir haben die Befehle bekommen und mußten bis dann und dann die Wohnung aufgeben.“ Frage: „Kam da ein Brief?“ Erlanger: „Das weiß ich nicht mehr, wie der Befehl war. Aber an einem bestimmten Datum mußten wir weg und nach Wien. Dort durfte man keine Wohnung haben und mußte wieder zu Juden ziehen.“2 Neben den in einer Liste im Jahr 1940 erfaßten „Glaubensjuden“ lebten in Krems nach den damaligen Gesetzen noch eine Reihe von Personen „jüdischer Abstammung“. Wie diese Personen überlebten, ist eine eigene Geschichte, wobei eine Hauptrolle dabei die Beziehungen zu Vertretern der NSDAP und ihrer Gliederungen gespielt haben dürften. So weist zum Beispiel Frau Ida Ptak darauf hin, daß ihr als „Volljüdin“ ihre Wohnung in der Rosseggerstraße weggenommen hätte werden sollen und sie sich daraufhin mit Dr. Max Thorwesten in Verbindung gesetzt habe, der ein Schulkamerad ihres Sohnes Emil Ptak war. „Dieser versprach ihm, daß er sich für ihn einsetzen werde und gab ihm eine Bestätigung dahin, daß mein Sohn Hauptmieter sei. Da mein Sohn nur jüdischer Mischling war, konnte er sich leichter behaupten und wir behielten die Wohnung.“ 3 Im Fall von Frau B., die heute noch in Krems lebt, dürften Beziehungen und die Tatsache, daß sie mit einem „Arier“ verheiratet war, wesentlich dazu beigetragen haben, daß sie in Krems überleben konnte. Dazu kommt noch, daß Frau B. keine gebürtige Kremserin war, sondern erst durch Heirat 1936 nach Krems kam und etwas außerhalb der Stadt wohnte. Der Mann von Frau B. war mit dem SA-Standartenführer Leo Pilz in die Schule gegangen. Als Frau B. den Judenstern tragen mußte, sei er, so Frau B., zur Parteistelle in Krems gegangen und habe sich beschwert: „`Ich halt für euch draußen an der Front den Kopf hin und meine Frau soll den Stern tragen‘, so oder so ähnlich hat er es erzählt.“4 Mehmals wurde Herr B. nach Angaben der Familie von Leo Pilz aufgefordert: „Gib‘ ihr einen Tritt in den Arsch und du bist ein gemachter Mann.` Daß Frau B. tatsächlich keinen Judenstern tragen mußte, geht aus der Erzählung einer Tabakarbeiterin hervor, die Frau B. auf dem Markt in Krems getroffen hat. „Die Marktfrau hat nicht gewußt, daß wir uns kennen. Als die Frau B. weg war, sagt die eine Frau, die auch dort gestanden ist: `Wissen Sie wer das war?-Nein-Das war doch die Jüdin, die B.- Na Na sowas, wenn ich das gewußt hätte, dann hätte ich der nichts gegeben, die soll sich noch einmal zu mir hertrauen.“‚6 Praktiziert hat diesen persönlichen Boykott, der von der Marktfrau in Erwägung gezogen wurde, die Blockleiterin G.,‘ die für den Block, in dem Frau B. wohnte, zuständig war: „Wir hatten hier eine Blockfrau, die eben über alle Verhältnisse genau Bescheid gewußt hat, die hat gewußt, daß ich Jüdin bin. Daher hat sie auf meine Karte ein großes J geschrieben. Auf den Karten, die alle bekommen haben, hat sie mir aus eigenem immer meine Fleischmarken gestrichen.“ Der Mann von Frau B. beschwerte sich persönlich bei der Blockleiterin, nachdem er von Bekannten von der demütigenden Prozedur erfahren hatte. „Mein Mann ist, so wie er war (in Uniform, Anm. R. St.) zu ihr hingegangen und hat sie darauf angesprochen. ‚Wie können Sie meinen kleinen Kindern das letzte was sie bekommen wegnehmen?‘ Da hat sie sich niedergekniet, das war schon 1944. ‚Wenn Sie ein Mann wären, dann würde ich sie mit dem nächstbesten Trumm erschlagen.‘ Sie war feig, furchtbar feig. Nur mit mir hat sie gemacht, was sie wollte, weil ich rechtlos war.“ weiterlesen

22. Die Juden des Landbezirks Krems

Die Juden des Landbezirks Krems
Das Schicksal der Juden im Landbezirk Krems ist durch einen dünnen Akt der Bezirkshauptmannschaft Krems in Ansätzen dokumentiert.‘ Es handelt sich dabei um „Belehrungen“ über Gesetze und Maßnahmen gegen Juden oder Verstöße gegen diese Gesetze. Am 2. Juli 1938 wird der Fabrikant Walter Stulz verhaftet, am 28. Juli sein Personenkraftwagen durch die Bezirkshauptmannschaft Krems beschlagnahmt. Der „Jude Bern-hard Barber hatte vor Jahren vom Hauer Ferdinand Huber an der Donau in Rossatzbach ein Stück Grund im Ausmaß von 48m2 um den Liebhaberpreis von 200 Schilling käuflich erworben“ erinnert sich ein Friedrich Zauner am 20. September in einem Schreiben an die Bezirkshauptmannschaft Krems, gleichzeitig wird auch auf ein viel größeres Grundstück hingewiesen, das sich offenbar auch in jüdischem Besitz befand. Das Gut der Julio Metal Edelobstkultur A.G. in Unterbergem umfaßte 307 ha und wird mit einem Nettowert von 62.670 Reichsmark angegeben? Kurz nach dem „Anschluß“ wurde auch Aloisia Kerpen, die auf dem Kirchenplatz in Grafenwörth ein kleines Geschäft betrieb, verhaftet. Ihre Söhne Alfred und Georg waren bereits 1937 in die USA ausgewandert. Nach ihrer Freilassung aus der Haft bot eine befreundete Frau in Haitzendorf der Verfolgten Unterschlupf, bis sie endgültig ‚“verschwand“, abgeholt wurde.3 Im August 1938 wurde dem jüdischen Kaufmann Leopold Kohut das Haus auf dem Josef-Leopoldplatz Nr.1, dessen Wert mit 6000 Reichsmark angegeben wurde, geraubt. Im Verzeichnis über beschlagnahmtes staatsfeindliches Vermögen heißt es: „wird gegenwärtig von der NSDAP u. angegliederten Formationen als Diensträume verwendet.“4 Beim Mitbesitzer des Gutes „Anisdorf‘, dem „Juden Franz Welward“, der im August bereits nach Mährisch Ostrau in die Tschechoslowakei geflüchtet war, wurden ein Puch Motorrad 250 ccm und zwei Jagdgewehrstutzen beschlagnahmt. Für das Motorrad fand die NSDAP Ortsgruppe Rossatz Verwendung, die Gewehre lagerte die Dienststelle der NSDAP in Mitterarnsdorf.5 Am 20.2.1939 stellt Rudolf Heller (Furth 80), „jüdischer Rassenzugehörigkeit, katholischer Konfession“ das Ansuchen „um Bewilligung zur Ausreise aus Deutschland“, da er als „Jude hier nicht seinen Lebensunterhalt verdienen kann“. Am 29.3.1939 wird notiert, daß „gegen die Ausstellung eines Reisepasses an Julie Neumann, Dümstein 2 keine Bedenken vorliegen.“6 Am 11. September 1939 nach dem Mittagessen, erhält der Landrat von Krems einen Anruf seines Kollegen aus Tulln, der ihm mitteilt, daß laut einem Runderlaß vom 11. September, 11 Uhr 30, „Juden, die nach 20 Uhr auf der Straße und auf öffentlichen Plätzen getroffen werden (…) im Wiederholungsfall in polizeiliche Gewahrsam“ zu nehmen sind. Über die Wirkung dieser Bestimmung auf die Bevölkerung dürften sich die Verantwortlichen nicht im klaren gewesen sein: „Vorstehende streng vertrauliche Weisung des Gauleiters darf absolut nicht öffentlich oder schriftlich verlautbart werden.“ 7 So lebte in Angern Nr. 17 bis zum 23. September 1939 Berta Koppensteiner, die in den Akten als „Volljüdin“ vermerkt ist und demnach auch den Zusatznamen „Sara“ tragen mußte, ohne sich eine Kennkarte gelöst zu haben. Der Landrat forderte den Gendarmerieposten auf, „die Koppensteiner zum Vorzeigen einer Kennkarte zu verhalten.“8 Dies geschah noch am selben Tage und Berta Koppensteiner, die mit einem „Arier“ verheiratet war, wurde vom Gendarmeriebeamten Franz Arndorfer ins Landgerichtsgefängnis gebracht. Mit der Hand ist dem Akt noch hinzugefügt: „Aufbehalten bis zum Einlangen des Kennkartenantrages. 2.10.1939.“ Am 30. September dürfte Berta Koppensteiner jedoch bereits wieder freigelassen worden sein, da zu diesem Zeitpunkt ihr Rundfunkgerät beschlagnahmt werden sollte und der Posten feststellte, daß die Eheleute Koppensteiner „unter einigen Tagen nach Rabenburg bei Lundenburg“ übersiedeln wollten und erst danach das Gerät abgeliefert werde. weiterlesen

21. Das Schicksal der vertriebenen Kremser Juden 2

Das Schicksal der vertriebenen Kremser Juden 2
Im folgenden soll kursorisch der Wissensstand über das Schicksal der vertriebenen Kremser Juden präsentiert werden, wobei nur jene Familien berücksichtigt wurden, die 1938 noch in Krems lebten. Hauptsächlich wurden als Quellen für diesen Abschnitt Interviews und Briefe herangezogen. weiterlesen

18. ‚Ich habe nichts anderes zu tun, als mich zu erinnern‘ Die Briefe des Alfred Silbermann

‚Ich habe nichts anderes zu tun, als mich zu erinnern‘
Die Briefe des Alfred Silbermann
Im Zuge eines Forschungsaufenthaltes des Verfassers in Israel berichtete ihm Robert Kohn von Alfred Silbermann, der Krems ebenfalls bereits Anfang der dreißiger Jahre verlassen hatte. In Palästina arbeiteten Robert Kohn und Alfred Silbermann in einer kleinen gemeinsamen Tischlerei. Ihre Wege trennten sich, und erst in den achtziger Jahren, nachdem Alfred Silbermann in die Vereinigten Staaten übersiedelt war, kamen die beiden wieder in Kontakt. Über diesen kleinen Umweg erhielt der Verfasser die Adresse von Alfred Silbermann in Miami, USA. Alfred Silbermann schrieb sich in den

Alfred Silbermann vor seinem Haus
in Miami (Florida, USA) 1988 weiterlesen

14. Familienschicksale

AMILIENSCHICKSALE

„Nun sieht man, wie im Laufe einer kurzen Zeit die ganzen Bekannten in die Welt gestreut werden – jeder wieder ein Fleckchen Erde suchend.“

Gertrude Neubauer 1938 an ihren Vater

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13. Die übrigen ‚Arisierungen‘

Die übrigen ‚Arisierungen‘
Die übrigen „Arisierungen“ in Krems sind zur Zeit bei weitem nicht so ausführlich dokumentierbar wie im Fall Geppert und Zumpfe. Für das Sägewerk Jackes und Alfred Schafranek in Gedersdorf und den Uhrmacher Peter Bader war ebenfalls Felix Wolf als kommissarischer Verwalter bestimmt. Wie der Möbelfabrikant Johann Zinterhof‘ dazu kam, die „Arisierung“ des Betriebes in Erwägung zu ziehen, geht aus der Zeugenaussage nicht hervor. Zinterhof gelingt es, sein Engagement im Vergleich zum Verhalten von Wolf positiv zu schildern. „Felix Wolf wurde bald nach dem Umbruch als kommissarischer Verwalter eingesetzt, kümmerte sich aber wenig um den Betrieb und bezog ca. 400 RM monatlich Honorar, während ich als der in Aussicht gezogene Erwerber mit Schafranek bereits im Geschäft arbeitete.“2 Da – laut Zinterhof – auf dem Betrieb 250.000 Schweizer Franken Schulden lasteten, zogen sich die Verhandlungen bis 1941, bis die Schweizer Gläubiger die Zwangsversteigerung forderten und Zinterhof über diesen Umweg den Betrieb erwarb. Karl Frank, der Betriebsleiter der Firma Schafranek/Zinterhof datierte den Kauf des Betriebes mit 10.4.1943.‘ Felix Wolf zufolge soll noch ein „gewisser Mauricius Troll“ als Verwalter eingesetzt worden sein, von dem Zinterhof lediglich berichten kann, daß er heftigst auf die Auszahlung seines Honorares gedrängt habe. Im November 1938 inserierte „Der kommissarische Verwalter“ mehrmals in der „Land-

Verladung von zwei Maschinen von Alfred Schafranek weiterlesen